Bürgermeisterprogramm - Stuhr kann 2035

Stuhr steht vor großen Entscheidungen.
Es geht nicht darum, Bestehendes zu verwalten, sondern die Gemeinde wirtschaftlich, sozial und infrastrukturell zukunftsfähig aufzustellen.
Dafür braucht es Führung, Erfahrung und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Wirtschaft und Handwerk – Fundament für Stuhrs Zukunft

Eine starke Gemeinde braucht eine starke Wirtschaft. In Stuhr ist diese Stärke historisch gewachsen – getragen vom Mittelstand, vom Handwerk und von familiengeführten Betrieben. Diese Struktur ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein Zukunftsmodell, wenn sie politisch verstanden und konsequent weiterentwickelt wird.

Handwerk: modernisieren und bewahren

Die Zukunft des Handwerks liegt nicht im Entweder-oder, sondern im Sowohl-als-auch.
Einerseits müssen Gewerke stärker zusammenarbeiten, Prozesse digitalisieren und neue Technologien – bis hin zur Künstlichen Intelligenz – sinnvoll nutzen. Andererseits bleibt das klassische Handwerk unverzichtbar: als Teil der kommunalen Grundversorgung und als stabiler Arbeitgeber.

Gerade bei der Lebensmittelversorgung zeigt sich das deutlich. Bäcker-, Konditor- und Fleischerhandwerk sichern regionale Qualität und Verlässlichkeit. Stuhr verfügt mit Betrieben wie Friebel und Pleus bereits über leistungsfähige Strukturen. Gleichzeitig stehen traditionelle Betriebe unter Druck durch Energiekosten, Effizienzerwartungen und zentrale Filialmodelle. Hier braucht es aktive Standortpolitik statt Wegsehen.

Standortpolitik für Betriebe, die ausbilden und bleiben

Ziel ist es, leistungsfähige Handwerksbetriebe vor Ort zu stärken – Betriebe, die ausbilden, investieren und Innovation tragen. Das gelingt nur im Schulterschluss von Gemeinde, Handwerkskammer, Berufsbildenden Schulen und Betrieben. Ausbildung, Qualifikation und regionale Wertschöpfung stehen dabei im Mittelpunkt.

Digitalisierung sinnvoll nutzen

Digitale Infrastruktur und Handwerk dürfen nicht getrennt gedacht werden. Ein Beispiel:
Die Abwärme eines kommunalen Rechenzentrums kann für energieintensive Produktionsprozesse genutzt werden – etwa im Bäckerhandwerk. So entstehen Synergien zwischen moderner digitaler Infrastruktur und klassischer Produktion. Das steht exemplarisch für einen pragmatischen Ansatz: Technik dient der realen Wertschöpfung vor Ort.

Digitale Unabhängigkeit sichern

Eigene Rechnerleistungen in kommunaler Verantwortung schaffen Unabhängigkeit von Konzernen und externen Interessen. Datenhoheit, Planungssicherheit und regionale Steuerungsmöglichkeiten werden so zu einem echten Standortvorteil – für Verwaltung, Wirtschaft und Innovation.

Mittelstand und Unternehmergeist stärken

Der Erfolg Stuhrs basiert auf dem Mittelstand. Mittelstand bedeutet nicht Größe, sondern Haltung: Eigenverantwortung, Mut und der Wille, etwas aufzubauen. Diese Haltung muss früh gefördert werden – durch praxisnahe Bildung, frühe Praktika und eine enge Verzahnung von Schulen und Betrieben. So entstehen nicht nur Arbeitsplätze, sondern neue Produkte, Ideen und regionale Erfolgsgeschichten.

Familienbetriebe als Stabilitätsanker

Familiengeführte Betriebe sind ein Schlüssel für langfristige wirtschaftliche Stabilität. Sie sind dem Ort verpflichtet, denken generationenübergreifend und verbinden Qualität mit wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen. In einer digitalisierten Welt werden sie eine der wichtigsten Säulen für Beschäftigung, Ausbildung und Versorgung bleiben.

Handwerk hat goldenen Boden – wenn Kommune, Wirtschaft und Bildung gemeinsam daran arbeiten.
Stuhr kann sich zu einem norddeutschen Zentrum für modernes Handwerk und Mittelstand entwickeln: innovativ, bodenständig und wirtschaftlich stark.

Vernetzte Verwaltung, vernetzte Gemeinde

Stuhr verfügt bereits heute über eine stabile und sichere digitale Verwaltungsstruktur. Mit Dataport ist die IT rechtlich verlässlich und technisch solide aufgestellt. Der nächste Schritt ist deshalb keine neue Technik, sondern eine bessere Nutzung des Vorhandenen.

Entscheidend ist die Vernetzung von Abläufen. Verwaltung darf nicht aus einzelnen Fachbereichen bestehen, die nebeneinander arbeiten. Anträge, Genehmigungen, Förderungen, Vereinsangelegenheiten und Mobilitätsangebote müssen zusammen gedacht und durchgängig organisiert werden.

Mein Anspruch ist eine Verwaltung, die:

  • Vorgänge durchgängig bearbeitet statt weiterzureichen

  • Entscheidungen nachvollziehbar macht

  • Bürger, Unternehmen und Vereine klar einbindet

Verwaltung wird damit vom reinen Sachbearbeiter zum organisierenden Knotenpunkt der Gemeinde. Nicht durch zusätzliche Ebenen, sondern durch klare Prozesse und feste Zuständigkeiten.

Ziel ist eine Gemeinde, in der:

  • Bürgeranliegen zügig und transparent bearbeitet werden

  • Unternehmen verlässliche Abläufe vorfinden

  • Vereine unkompliziert eingebunden sind

  • der öffentliche Verkehr sinnvoll in digitale Prozesse integriert ist

Das ist keine Vision, sondern eine Frage von Führung, Prioritätensetzung und konsequenter Umsetzung.

Kommunales Rechenzentrum als nächste Stufe

Ein eigenes kommunales Rechenzentrum ist die logische Ergänzung dieser vernetzten Verwaltung – nicht als Ersatz für bestehende IT-Strukturen, sondern als Erweiterung mit klarem Nutzen.

Ein Rechenzentrum ermöglicht:

  • eigene Datenhaltung für kommunale Planungen

  • bessere Auswertung von Verkehrs-, Energie- und Infrastrukturdaten

  • Grundlage für intelligente Mobilitäts- und Energiesteuerung

  • zusätzliche Wertschöpfung durch Gewerbesteuer und Arbeitsplätze

Wichtig ist dabei: Ein Rechenzentrum ist kein Prestigeprojekt. Es muss wirtschaftlich tragfähig sein, in die Energie- und Netzinfrastruktur passen und einen konkreten Mehrwert für die Gemeinde bringen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, sollte Stuhr diesen Schritt gehen. Wenn nicht, wird das offen benannt.

Mit einer vernetzten Verwaltung und eigener digitaler Infrastruktur entsteht die Möglichkeit, neue Lösungen zuerst im Kleinen zu erproben – datenbasiert, kontrolliert und praxisnah. Genau so können Gemeinden handlungsfähig bleiben.

Autonomer ÖPNV – eine echte Chance für Stuhr

Autonome Busse und Shuttles können den öffentlichen Nahverkehr deutlich besser machen – besonders für Gemeinden wie Stuhr. Das zeigt eine große Studie im Auftrag von DB Regio, an der unter anderem das KIT, das DLR und Prognos beteiligt waren.

Der entscheidende Punkt:
Autonomes Fahren bringt nur dann echten Nutzen, wenn es in den ÖPNV integriert wird – nicht als Spielerei und nicht als privates Robotaxi.

Was das konkret bringt

  • Deutlich kürzere Wartezeiten
    In Städten bis zu 50 % weniger, im ländlichen Raum ebenfalls massiv kürzer.

  • Bessere Anbindung der Außenbereiche
    Autonome Shuttles fahren flexibel dort, wo heute kaum Busse kommen – Wohngebiete, Randlagen, Gewerbe, Sportanlagen.

  • Weniger Umstiege, kürzere Wege zur Haltestelle
    Das System kommt zu den Menschen – nicht umgekehrt.

  • Fast so schnell wie das Auto
    In manchen Fällen sogar schneller, vor allem in dichter besiedelten Bereichen.

  • Weniger Verkehr auf den Straßen
    Bis zu 11 % weniger Verkehrsbelastung, wenn viele umsteigen.

Wichtig für Stuhr

Für Stuhr bedeutet das:
Autonome Shuttles ersetzen keine Straßenbahn, sondern runden sie ab.

  • Die Straßenbahn bleibt das Rückgrat auf den Hauptachsen.

  • Autonome Busse und Shuttles übernehmen die Zubringerfunktion aus Moordeich, Varrel, Groß Mackenstedt und anderen Außenbereichen.

  • Alles ist ein Gesamtsystem, kein Flickenteppich.

Fazit

Autonomer ÖPNV ist kein Zukunftstraum, sondern eine konkrete Chance, Mobilität gerechter, flexibler und effizienter zu machen – gerade für Familien, ältere Menschen, Jugendliche und Berufspendler.

Für Stuhr heißt das:
Bessere Anbindung der Außenbereiche, weniger Verkehr, mehr Lebensqualität – und ein ÖPNV, der wirklich funktioniert.

Ortskernentwicklung als integriertes Konzept

Lebendige Ortskerne entstehen dort, wo Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit wieder zusammenkommen. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Bereiche getrennt – mit dem Ergebnis, dass Ortskerne an Bedeutung verloren haben und der Onlinehandel klassische Strukturen weiter unter Druck setzt.

Die Zukunft liegt in einer Rückkehr zu einem bewährten Prinzip: Wohnen, Leben und Arbeiten räumlich verbinden. Ergänzt durch Mehrgenerationenmodelle entstehen stabile Nachbarschaften, kurze Wege und gegenseitige Unterstützung – und zugleich eine Entlastung für Verwaltung und öffentliche Haushalte.

Ein zentrales Leitbild sind Wohn- und Werkstatthäuser, in denen Handwerk, kleinere Manufakturen, Büros und Wohnen kombiniert werden. Produktion, Verkauf und Aufenthaltsqualität greifen ineinander und schaffen dauerhafte wirtschaftliche und soziale Präsenz im Ortskern.

So wird Ortskernentwicklung zu aktiver Wirtschaftsentwicklung – pragmatisch, identitätsstiftend und alltagstauglich für Stuhr.

Regionalverbund Nordkreis – Wachstum durch Zusammenarbeit

Viele Zukunftsaufgaben lassen sich nicht mehr allein auf Gemeindeebene lösen. Energie, Verkehr, Infrastruktur, Digitalisierung und Wirtschaft wirken regional. Wer handlungsfähig bleiben will, muss gemeinsam planen und investieren.

Der Regionalverbund Nordkreis setzt genau hier an – mit Stuhr und Weyhe als gemeinsamem Wirtschafts- und Entwicklungsraum mit über 60.000 Einwohnern und einer starken Lage an A1, A27 und Weser.

Ziel des Regionalverbunds:

  • gemeinsame Planung zentraler Zukunftsthemen

  • gebündelte Investitionen statt Einzelprojekte

  • höhere Finanzkraft und bessere Förderfähigkeit

  • mehr Gewicht gegenüber Land, Bund und Investoren

Konkret bedeutet das:

  • Energie, Verkehr, Gewerbeflächen und Digitalisierung werden regional gedacht

  • Infrastruktur wird gemeinsam entwickelt und betrieben

  • große Projekte (z. B. Rechenzentrum, Energie, Netze) werden wirtschaftlich tragfähig

Der Regionalverbund ist kein Gesprächskreis, sondern ein handlungsfähiges Instrument kommunaler Selbstverwaltung. Er steht für Wachstum mit Struktur – nicht um jeden Preis, sondern geplant, finanzierbar und langfristig wirksam.

Kommunale Zukunft entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Kooperation auf Augenhöhe.

Sozialpolitik in Stuhr – Verantwortung ermöglichen, Gemeinschaft stärken

Sozialpolitik in Stuhr ist Teil einer verantwortungsvollen kommunalen Ordnungspolitik. Sie folgt keiner Ideologie, sondern der Frage, wie wirtschaftliche Vernunft, gesellschaftlicher Zusammenhalt und individuelle Verantwortung dauerhaft miteinander verbunden werden können. Aufgabe der Gemeinde ist es, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen – nicht, alle Lebensbereiche zu regeln oder dauerhaft zu betreuen.

Ziel ist eine Sozialpolitik, die Teilhabe ermöglicht, Eigenverantwortung stärkt und stabile Strukturen aufbaut. Die beste Sozialpolitik ist die, die sich langfristig selbst überflüssig macht, weil Gemeinschaft, Engagement und Verantwortung selbstverständlich getragen werden.

  • Kinder, Jugendliche und Vereine
    Frühe Förderung beginnt im Kindergarten, in der Schule und im Verein. Jugendzentren wie das No Moor bleiben wichtige Anlaufstellen. Sportvereine sollen ihre Angebote frühzeitig in Grundschulen vorstellen. Sport stärkt Leistung, Integration und soziale Kompetenz. Jugendliche ab 14/15 Jahren werden gezielt zu Gruppenleitern ausgebildet und übernehmen Verantwortung.

  • Ehrenamt und Engagement
    Ehrenamt ist ein zentraler Stabilitätsfaktor. Eine digitale Freiwilligen-Börse soll Angebote wie Nachhilfe, Kinderbetreuung oder Alltagshilfe bündeln. Ergänzend werden Sommercamps für Kinder und Jugendliche organisiert – gemeinsam mit Schulen, Vereinen und Partnergemeinden.

  • Senioren und Generationen
    Ältere Menschen sind heute länger aktiv und leistungsfähig. Ziel ist Teilhabe statt Verwaltung des Alters. Erfahrung, Zeit und Wissen sollen stärker in das Gemeindeleben eingebunden werden. Begegnung im Alltag ist wichtiger als einzelne Veranstaltungen.

  • Ortskern und öffentliche Räume
    Plätze der Begegnung sind entscheidend für sozialen Zusammenhalt. Ortskernentwicklung bedeutet nicht nur bauliche Gestaltung, sondern braucht regelmäßige Nutzung, klare Formate und Verantwortlichkeiten.

  • Migration und Integration
    Wirtschaftliches Wachstum und Fachkräftesicherung sind ohne Migration nicht möglich. Integration bedeutet das Hineinwachsen in eine bestehende gesellschaftliche Ordnung. Kommune, Vereine, Ehrenamt, Schulen, Wirtschaft und Kirchen tragen gemeinsam Verantwortung.

  • Konkrete soziale Projekte
    Der Silbersee wird zur Vermeidung von Blaualgen ausgebaggert und sanitäre Anlagen werden erneuert – im realistischen Kostenrahmen. Ein eingezäunter Hundeauslauf verbessert das Miteinander im öffentlichen Raum. Für das neue Schwimmbad wird frühzeitig eine tragfähige Organisation aufgebaut und eine Ausbildungsoffensive gestartet. Sportstätten werden systematisch geprüft und Fördermittel konsequent genutzt.

  • Kirchen und gesellschaftlicher Dialog
    Religiöser Glaube ist Privatsache, christliche Werte prägen jedoch das gesellschaftliche Fundament. Kirchengemeinden leisten einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt. Der Dialog mit anderen Religionen erfolgt auf Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.